Wie schreibe ich einen Roman? - 15 ausführliche Tipps
Liebst du es, in fremde Welten einzutauchen und Geschichten zu erfinden? Vielleicht geistern dir schon viele tolle Ideen durch den Kopf, die du mit der Welt teilen möchtest? Doch wie wird daraus ein ganzer Roman? In diesem Artikel erklären wir dir mit 15 ausführlichen Tipps, wie du Schritt für Schritt einen richtig guten Roman schreiben kannst, der deine Leser:innen fesselt.
Inhaltsverzeichnis
Tipp 1: Fünf Fakten, die du vor dem Schreiben eines Romans wissen solltest
Bevor du mit deinem Roman startest, solltest du dir eines bewusst machen: Ein gutes Buch entsteht selten beim ersten Versuch. Schreiben ist ein Handwerk, das du lernen und mit jedem Text verbessern kannst.
Fakt 1: Schreiben kann man lernen
Die wenigsten Menschen werden mit dem Talent geboren, gute Geschichten zu schreiben. Die meisten Autor:innen haben viel Zeit investiert, um Kreatives Schreiben zu lernen. Mit dem richtigen Handwerk und ein bisschen Übung ist es jedoch gar nicht so schwer und der Schritt zum Roman schreiben nicht mehr weit. Dabei können dir Schreibkurse, Schreibschulen oder Schreibwerkstätten helfen.
Fakt 2: Schreiben ist ein Marathon, kein Sprint
Einen Roman schreibst du nicht in wenigen Tagen oder Wochen. Viele Autor:innen recherchieren und schreiben monate- oder jahrelang an ihrem Manuskript. Dein Text muss wachsen, um richtig gut zu werden. Setze dich deshalb nicht unter Druck und gib dir unbedingt die Zeit, die es braucht, um einen guten Roman zu schreiben.
Fakt 3: Regelmäßigkeit zahlt sich aus
Am Anfang deines Romanprojekts bist du sicherlich voller Tatendrang und willst unbedingt sofort mit dem Schreiben beginnen. Das ist super! Doch die Erfahrung zeigt, dass es auch mal Tage geben wird, an denen du weniger motiviert sein wirst. Eine Schreibroutine hilft dir dann dabei, trotzdem an deinem Roman dranzubleiben. Dazu später mehr.
Fakt 4: Planung kann dir das Schreiben erleichtern
Einhergehend mit einer Schreibroutine hilft dir ein Schreibplan dein Buchprojekt als Ganzes im Blick zu behalten. Wie viel du vorab inhaltlich von deinem Roman planst, bleibt dir überlassen. Ein grober Überblick über Figuren, Konflikt und Handlung kann jedoch verhindern, dass du dich während des Schreibens in deiner Geschichte verlierst.
Fakt 5: Verbiete dir keine Ideen
Bei der Fülle an existierenden Geschichten ist es kaum möglich, dass deine eigenen Ideen das Rad komplett neu erfinden. Deshalb ist umso wichtiger, dass du beim Brainstorming zunächst alles zulässt und deine Einfälle erst später bewertest.
Tipp 2: Entwickle eine tragfähige Romanidee
Für einen guten Roman brauchst du natürlich eine gute Buchidee. Manchmal ist dieses scheinbar Offensichtliche jedoch das größte Problem. Einige Autor:innen haben zu wenige Ideen, andere so viele, dass sie sich nicht entscheiden können.
Beim Brainstorming können dir zum Beispiel diese Kreativitätstechniken helfen:
- Walt-Disney-Methode: Betrachte deine Buchidee nacheinander als Träumer, Macher und Kritiker. Was wäre möglich, wie könntest du es umsetzen und wo liegen Probleme?
- ABC-Methode: Schreibe das Alphabet untereinander und notiere zu jedem Buchstaben spontan einen Begriff oder Gedanken. Daraus können Figuren, Orte oder Konflikte entstehen.
- Mindmap: Sammle rund um deine Ausgangsidee mögliche Figuren, Schauplätze, Konflikte und Ereignisse.
Notiere all deine Einfälle in einem Notizbuch, Bullet Journal, einer App oder einem Schreibprogramm. So kannst du während des gesamten Schreibprozesses darauf zurückgreifen.
Von der Idee zum Handlungskern
Nicht jede interessante Idee trägt einen ganzen Roman. Versuche deshalb, den Kern deiner Geschichte in ein bis zwei Sätzen zusammenzufassen. Eine einfache Orientierung bieten diese Fragen:
- Wer ist deine Hauptfigur?
- Was möchte sie erreichen?
- Was steht ihr dabei im Weg?
- Was passiert, wenn sie scheitert?
Beispiel: Eine junge Journalistin entdeckt, dass der gefeierte Bürgermeister ihrer Heimatstadt in das Verschwinden ihrer Schwester verwickelt sein könnte. Um die Wahrheit herauszufinden, muss sie gegen den Mann ermitteln, dem die gesamte Stadt inkl. ihrer Familie vertraut.
Damit hast du bereits Hauptfigur, Ziel, Konflikt und mögliche Konsequenzen deiner Geschichte definiert.
Überlege außerdem, welches größere Thema hinter deiner Handlung steckt. Geht es beispielsweise um Vertrauen, Schuld, Freiheit, Familie oder die Frage, wie weit ein Mensch für seine Ziele gehen würde? Du musst daraus keine eindeutige Botschaft formulieren. Ein zentrales Thema kann dir aber helfen, Figuren und Handlung miteinander zu verbinden.
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Tipp 3: Bestimme Genre und Zielgruppe für deinen Roman
Bevor du deine Handlung genauer planst, solltest du wissen, was für einen Roman du schreiben möchtest. Ein Liebesroman weckt andere Erwartungen als ein Krimi, ein historischer Roman oder eine Fantasygeschichte.
Das Genre kann unter anderem beeinflussen:
- welche Konflikte und Themen Leser:innen erwarten,
- wie Spannung aufgebaut wird,
- welche Rolle das Setting spielt,
- welche Buchlänge für den Roman üblich ist,
- und wie die Geschichte endet.
Bei einem klassischen Krimi erwarten Leser:innen beispielsweise in der Regel ein Verbrechen und dessen Aufklärung. Bei einer Romanze steht dagegen die Entwicklung einer Liebesbeziehung im Mittelpunkt. Dabei sind die Grenzen nicht starr. Dein Roman kann mehrere Genres miteinander verbinden. Entscheidend ist, welches Genre den Kern deiner Geschichte am besten beschreibt und welche Leser:innen du erreichen möchtest.
Eine Übersicht über Genres und Subgenres findest du in unserem Beitrag über Buchgenres.
Genrespezifische Schreibtipps gibt es hier:
Tipp 4: Entwickle lebendige Figuren
Mitunter das Wichtigste an deinem Roman sind die Figuren. Sie sollten authentisch sein und für deine Leser:innen nachvollziehbar handeln. Dazu gehört, dass du dich im Vorfeld umfangreich mit ihnen auseinandersetzt. Am besten notierst du dir für jede deiner Hauptfiguren ihre wichtigsten Eigenschaften und ihre Motivation gesammelt in einem sogenannten Charakterbogen.
Vor allem bei deinen Hauptfiguren solltest du wissen:
- Wie sieht die Figur aus?
- Wie verhält sich der Charakter?
- Was möchte die Figur erreichen?
- Warum ist ihr dieses Ziel wichtig?
- Wovor hat sie Angst?
- Was steht ihr im Weg?
- Welche Stärken und Fehler besitzt sie?
- Welche Beziehungen prägen sie?
- Wie verändert sie sich im Laufe der Geschichte?
Ziel und Motivation
Eine interessante Figur braucht mehr als ein bestimmtes Aussehen oder ungewöhnliche Eigenschaften. Besonders wichtig ist ihre Motivation.
Stell dir zum Beispiel eine Figur vor, die unbedingt einen prestigeträchtigen Wettbewerb gewinnen möchte. Das ist ihr äußeres Ziel. Dahinter könnte jedoch der Wunsch stehen, endlich die Anerkennung ihrer Eltern zu bekommen. Diese innere Motivation macht ihre Entscheidungen für Leser:innen verständlicher und eröffnet zusätzliche Konflikte.
Authentizität
Deine Figuren sollten realistisch, nachvollziehbar und zu jedem Zeitpunkt authentisch handeln. Das bedeutet nicht, dass sie immer das tun müssen, was du selbst tun würdest. Deine Figuren unterliegen deiner Dramaturgie und du als Autor:in sollst in sie hineintauchen und dich zu jedem Moment fragen:
Wie würde meine Figur in dieser bestimmten Situation reagieren?
Wenn du beispielsweise eine ängstliche und zurückhaltende Person konzipiert hast, wird sie im Angesicht einer großen Gefahr sicher anders reagieren als ein:e furchtlose:r Held:in.
Einzigartigkeit
Jeder Mensch hat besondere Eigenschaften und Merkmale, die ihn oder sie unverkennbar machen. Auch deine Figuren sollten solche Eigenschaften besitzen. Das kann ein bestimmtes Kleidungsstück sein, das immer dabei sein muss, eine bestimmte Gangart, eine besonders prägnante Stimme, die du immer wieder beschreibst, oder ein Dialekt.
Ganz gleich wofür du dich entscheidest: Es macht deine Figur glaubhafter und hilft dir im späteren Schreibprozess, sie mit wenigen Worten von anderen Personen abzugrenzen.
Beispiel: Heiner Schmidt war der lauteste Mensch, den sie jemals gekannt hatte. Wenn er in den Raum herein polterte, hatte er schnell die Aufmerksamkeit des ganzen Kollegiums sicher. So auch an diesem Montag, als er tönend seinen Feierabend verkündete und der ahnungslose Praktikant am Tisch neben ihm erschrocken zusammen zuckte.
Stärken, Fehler und Widersprüche
Niemand ist perfekt. Deshalb sollten es deine Romanfiguren auch nicht sein. Gib ihnen neben Stärken also unbedingt auch immer Schwächen. Gerade Fehler und widersprüchliche Eigenschaften machen sie erst für Leser:innen interessant. Eine Figur kann beispielsweise äußerst mutig sein, gleichzeitig sich selbst aber kaum Fehler eingestehen. Sie kann anderen Menschen problemlos helfen, aber selbst keine Hilfe annehmen. Solche Eigenschaften bieten Konfliktpotenzial und können gleichzeitig die Entwicklung deiner Figur bestimmen.
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Tipp 5: Finde den Hauptkonflikt deines Romans
Dein Roman sollte einen zentralen Konflikt haben, der die Handlung vorantreibt. Dabei treffen meist ein Ziel und ein Hindernis aufeinander:
Eine Figur will etwas, aber etwas oder jemand hindert sie daran.
Zum Beispiel:
- Ein Mädchen und ein Junge verlieben sich ineinander. Sie sind beide todkrank und wissen nicht, wie lange sie noch leben werden (so geschrieben in John Greens “Das Schicksal ist ein mieser Verräter“).
- Ein dunkler Zauberer will die Weltherrschaft an sich reißen und muss dafür einen Jungen töten (so geschrieben in J. K. Rowlings “Harry Potter”).
Die genannten Konflikte lösen im weiteren Verlauf des Buches bzw. der Bücher andere Konflikte aus, wodurch sich ein Gerüst ergibt, welches die Geschichte trägt. Starke Konflikte haben besonders große Auswirkungen auf deine Figuren. Sie können in einem Moment die komplette Geschichte in Frage stellen. Je wichtiger das Ziel für deine Figur ist und je schwerwiegender die Folgen eines Scheiterns sind, desto größer wird das Konfliktpotenzial. Frage dich deshalb:
- Was möchte meine Hauptfigur unbedingt erreichen?
- Wer oder was verhindert das?
- Warum kann sie das Problem nicht einfach umgehen?
- Was steht für sie auf dem Spiel?
- Was wird im Laufe der Geschichte immer schwieriger?
Dabei muss der Hauptkonflikt nicht ausschließlich von außen kommen. Auch innere Konflikte können eine wichtige Rolle spielen. Vielleicht muss deine Figur eine Entscheidung treffen, bei der sie unabhängig vom Ausgang etwas verliert.
Tipp 6: Lege Ort, Zeit und Setting fest
Sicher hast du dir bereits Gedanken gemacht, in welcher Zeit und an welchem Ort die Geschichte spielen soll. Je nachdem, was für einen Roman du schreibst, kann dies von größerer Bedeutung sein.
Bei einem historischen Roman sind Zeit und Ort besonders wichtig. Sie bestimmen beispielsweise gesellschaftliche Normen, technische Möglichkeiten und das Verhalten deiner Figuren. Aber auch ein gegenwärtiger Roman verändert sich grundlegend durch sein Setting. Eine Liebesgeschichte in einem kleinen Dorf funktioniert anders als dieselbe Ausgangsidee in einer anonymen Millionenstadt. Bei Fantasy und Science-Fiction geht das Setting häufig noch weiter: Hier entwickelst du möglicherweise eigene Gesellschaften, politische Systeme, Religionen, Technologien oder Magie. Wie du dabei vorgehst, erklären wir ausführlich in unseren Tipps zum Worldbuilding.
Wichtig ist: Deine Welt sollte nicht nur Kulisse sein. Überlege, wie Ort, Zeit und gesellschaftliche Bedingungen die Handlung und deine Figuren beeinflussen.
Tipp 7: Recherchiere so viel wie nötig
Recherche kann ein wichtiger Bestandteil beim Romanschreiben sein. Wie umfangreich sie ausfällt, hängt jedoch stark von deiner Geschichte ab. Für einen historischen Roman musst du wahrscheinlich wesentlich mehr recherchieren als für einen Gegenwartsroman, der in deinem eigenen Umfeld spielt.
Überlege zunächst:
- Welche Informationen brauche ich wirklich?
- Welche Fragen muss ich beantworten, damit die Handlung glaubwürdig funktioniert?
- Wo finde ich verlässliche Informationen?
- Gibt es Expert:innen, mit denen ich sprechen kann?
Du kannst online und in Büchern recherchieren, Dokumentationen anschauen, Schauplätze besuchen oder Interviews mit Menschen durchführen, die sich mit deinem Thema auskennen. Schreibst du beispielsweise über eine Notärztin, kann ein Gespräch mit einer Person aus dem Rettungsdienst wichtige Details liefern, die du bei einer allgemeinen Internetrecherche kaum findest.
Achte gleichzeitig darauf, dich nicht in der Recherche zu verlieren. Du musst nicht alles wissen, bevor du den ersten Satz schreibst. Viele offene Fragen kannst du beim Schreiben markieren und später gezielt recherchieren.
Ausführliche Hinweise findest du in unserem Beitrag zur Buchrecherche.
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Tipp 8: Roman schreiben – plotten oder einfach drauflosschreiben?
Plottest du gerne oder schreibst du lieber drauflos? Beides sind legitime Wege, einen Roman zu schreiben. Trotzdem solltest du dir im Vorfeld Gedanken dazu machen.
Einfach losschreiben
Viele Autor:innen entwickeln ihre besten Ideen erst während des Schreibens. Sie genießen die Freiheit, ihre Geschichte entstehen zu lassen und ihre Figuren nach und nach kennenzulernen. Wenn du dich mit einer detaillierten Planung eingeengt fühlst, solltest du diese Schreibweise unbedingt ausprobieren. Beginne mit einer groben Ausgangsidee und finde heraus, wohin dich deine Geschichte führt.
Plotten
Andere Autor:innen schwören jedoch auf das klassische Buch plotten. Sie möchten bereits vorher wissen, wie sich ihre Geschichte entwickelt und vor allem wie sie endet, um sich anschließend nur noch auf die passenden Formulierungen konzentrieren zu müssen. Beim Plotten eines Buches planst du wichtige Ereignisse, Wendepunkte und Entwicklungen vor dem Schreiben. Dadurch kannst du früh erkennen, ob deine Geschichte genügend Konflikte enthält oder ob im Mittelteil größere Lücken entstehen.
Bekannte Plotmethoden sind beispielsweise:
- die Drei-Akt-Struktur,
- die Fünf-Akt-Struktur,
- die Heldenreise,
- die Schneeflockenmethode,
- und das Save-the-Cat-Beat-Sheet.
Noch mehr Möglichkeiten findest du in unserem Überblick zum Aufbau einer Geschichte.
Du musst dich übrigens nicht eindeutig für eine Herangehensweise entscheiden. Viele Autor:innen planen auch nur die wichtigsten Eckpunkte und lassen dazwischen bewusst Raum für spontane Ideen. Probiere einfach aus, was dich besser voranbringt.
Tipp 9: Entwickle Spannungsbogen, Wendepunkte und Nebenhandlungen
Ein Roman wird nicht automatisch spannend, nur weil du möglichst viele überraschende Wendungen hintereinander einbaust. Stattdessen sollten die Konflikte und Konsequenzen im Verlauf der Geschichte zunehmen und einen Spannungsbogen bilden. Auch dabei helfen dir die zuvor genannten Plotmethoden.
Ein grober Spannungsverlauf kann beispielsweise so aussehen:
- Ausgangssituation
- auslösendes Ereignis
- zunehmende Hindernisse
- größere Wendepunkte
- Krise
- Höhepunkt
- Auflösung
Wendepunkte verändern dabei die Richtung deiner Geschichte. Sie müssen aber nicht immer spektakuläre Plot-Twists sein.
Beispiel: Deine Hauptfigur sucht einen verschwundenen Freund. Ein Wendepunkt könnte sein, dass sie herausfindet, dass er gar nicht entführt wurde, sondern freiwillig verschwunden ist. Dadurch verändert sich ihr Ziel und die Geschichte bekommt eine neue Richtung.
Die besten Wendungen sind nicht unbedingt die, die du in einer einzelnen Szene konstruierst und dann deinen Leser:innen präsentierst. Die besten Wendungen sind die, welche die Leser:innen zwar in dem Moment nicht kommen sehen, bei längerem Nachdenken aber durchaus logisch erscheinen.
Auch Nebenhandlungen können deinen Roman bereichern. Ein familiärer Konflikt, eine Freundschaft oder eine Liebesgeschichte kann beispielsweise den Hauptkonflikt spiegeln oder zusätzlichen Druck auf deine Figur ausüben. Achte jedoch darauf, dass Nebenhandlungen die Hauptgeschichte unterstützen und sie nicht verdrängen.
Mehr Tipps findest du in unserem Beitrag zum Spannungsaufbau.
Tipp 10: Wähle die passende Erzählperspektive
Bevor du größere Teile deines Romans schreibst, solltest du dir Gedanken darüber machen, aus welcher Perspektive du deine Geschichte erzählen möchtest. Grundsätzlich kannst du zwischen auktorialer, personaler und Ich-Erzählweise wählen. Zusätzlich kannst du überlegen, ob deine Geschichte aus Sicht einer einzelnen Figur oder mehreren Figuren wiedergeben möchtest. Die Wahl beeinflusst, welche Informationen deine Leser:innen erhalten und wie nah sie deinen Figuren kommen.
Beispiel: Erzählt eine Ermittlerin selbst in der Ich-Perspektive, wissen die Leser:innen normalerweise nur das, was auch sie weiß. Wechselst du dagegen zwischen Ermittlerin und Täter, entsteht eine ganz andere Form von Spannung.
Entscheide außerdem, welche Zeitform zu deiner Geschichte passt. In Romanen wird häufig das Präteritum verwendet, wodurch die Erzählung oft etwas ruhiger wirkt und mehr Abstand zur Handlung entsteht. Wenn du möchtest, dass deine Leser:innen die Handlungen unmittelbar miterleben, erzähle deine Geschichte stattdessen im Präsens.
Wenn du dir unsicher bist, schreibe dieselbe kurze Szene probeweise aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Zeitformen. Häufig merkst du schnell, welche Variante am besten zu deiner Geschichte passt.
Die verschiedenen Sichtweisen erklären wir dir ausführlich in unserem Beitrag zur Erzählperspektive.
Tipp 11: Schreibe einen fesselnden Romananfang
Nachdem die wichtigsten Grundlagen deiner Geschichte stehen, kannst du mit dem Manuskript schreiben beginnen. Aber wo genau setzt die Handlung ein? Ein guter Romananfang sollte vor allem neugierig machen. Du musst deinen Leser:innen nicht sofort die gesamte Vorgeschichte erklären. Meist ist es spannender, möglichst nah an einem Moment zu beginnen, in dem sich für deine Hauptfigur etwas verändert.
Beispiel: Statt über mehrere Seiten hinweg den eintönigen Alltag deiner Hauptfigur zu beschreiben, könntest du an dem Morgen einsetzen, an dem sie eine Nachricht erhält, der diesen Alltag beendet.
Das bedeutet nicht, dass jeder Roman mit Action beginnen muss. Auch eine ruhige Szene kann fesseln, wenn sie eine interessante Figur, Atmosphäre, Frage oder einen bevorstehenden Konflikt erkennen lässt. Frage dich nach den ersten Seiten:
- Macht der Einstieg neugierig?
- Lernen wir etwas Relevantes über Figur oder Konflikt?
- Beginnt die Geschichte dort, wo sie wirklich interessant wird?
- Gibt es Informationen, die ich erst später erzählen kann?
Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag Buchanfang schreiben.
Tipp 12: Schreibe Szenen, die deine Geschichte voranbringen
Ein Roman ist nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von Kapiteln und Szenen. Egal, ob du deinen Roman detailliert geplottet hast oder spontan entwickelst: Jede Szene sollte eine Funktion erfüllen. Damit dir das gelingt, frage dich beispielsweise:
- Was möchte meine Figur in dieser Szene?
- Was steht ihr dabei im Weg?
- Was verändert sich?
- Welche Konsequenz hat die Szene für den weiteren Verlauf der Geschichte?
Eine einfache Orientierung lautet: Ziel → Hindernis → Konflikt → Veränderung → Konsequenz
Beispiel: Wenn deine Hauptfigur jemanden überzeugen möchte, ihr ein Geheimnis zu verraten, sollte die Szene nicht genauso enden, wie sie begonnen hat. Vielleicht bekommt sie die Information, zahlt dafür aber einen hohen Preis. Oder ihr Gegenüber verweigert die Antwort und weckt dadurch erst recht ihren Verdacht.
Achte außerdem auf das Erzähltempo. Nicht jeder Moment deines Romans benötigt gleich viel Raum. Wichtige Konflikte kannst du ausführlich als Szene erzählen, während Reisen, Routinen oder längere Zeiträume oft in wenigen Sätzen zusammengefasst werden können.
Emotionen vermitteln
Emotionen sorgen dafür, dass Leser:innen mit deinen Figuren mitfühlen. Damit das gelingt, halte dich beim Romanschreiben an die Faustregel Show, don’t tell: Statt ein Gefühl lediglich zu benennen, solltest du es durch Gedanken, Wahrnehmungen, Handlungen oder Reaktionen verbildlichen.
Beispiel:
Tell: Sie empfand große Trauer.
Show: Ihr Gesicht verzog sich schmerzhaft und er sah das Leid in ihren Augen, die sich langsam mit Tränen füllten. Ihre Hände zitterten, als sie nach seinen griff und ihre Stimme bebte, als sie leise sprach: …
Nicht jede Emotion muss aber ausführlich gezeigt werden. Show und Tell erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Wichtige emotionale oder dramatische Momente profitieren häufig vom Zeigen. Weniger wichtige Übergänge kannst du bewusst zusammenfassen. Dadurch steuerst du auch das Tempo deines Romans.
Dialoge schreiben
Dialoge sind die Würze einer Szene und können Konflikte, Beziehungen und Figuren sichtbar machen. Deine Figuren unterhalten sich in direkter Rede miteinander. Du musst nicht viel beschreiben, sondern kannst dich ganz auf die Worte deiner Figuren konzentrieren.
Auch Dialoge sind eine gute Möglichkeit, um das Konzept Show, don’t tell zu berücksichtigen. Mit einem guten Dialog zwischen zwei Figuren ist manchmal viel mehr gesagt, als wenn du etwas lange beschreibst. Allerdings gilt dies auch umgekehrt: Manchmal liegt in dem, was eine Figur nicht ausspricht, noch viel mehr Bedeutung, als in dem, was sie ausspricht.
Jede Figur sollte deshalb einen Grund haben, etwas zu sagen bzw. bewusst nicht zu sagen. Besonders interessant wird ein Dialog, wenn zwischen den Worten und der eigentlichen Absicht einer Figur ein Unterschied besteht. Statt Figuren Informationen erzählen zu lassen, die beide ohnehin kennen, frage dich: Was möchte jede Person in diesem Gespräch erreichen?
Weitere Tipps und Beispiele findest du in unserem Beitrag zum Thema Dialoge schreiben.
Tipp 13: Entwickle deinen eigenen Schreibstil
Nachdem du deine Geschichte entwickelt hast, bist du bereit zum Schreiben. Doch wie findest du die richtigen Worte und einen eigenen Stil? Setze dich dabei nicht zu sehr unter Druck. Deinen persönlichen Schreibstil musst du nicht fertig entwickelt haben, bevor du deinen Roman schreibst. Er entsteht durch Übung und verändert sich häufig noch, je mehr Texte du verfasst.
Zum Schreiben gehört auch Lesen
Wenn du deinen Schreibstil verbessern möchtest, solltest du viel lesen. Achte dabei bewusst darauf, wie andere Autor:innen ihre Geschichten erzählen.
- Wie lang sind ihre Sätze?
- Wie beschreiben sie Figuren?
- Wie beginnen und beenden sie Szenen?
- Wie viel zeigen sie und wie viel fassen sie zusammen?
- Wie klingen ihre Dialoge?
Dabei geht es nicht darum, den Stil anderer zu kopieren. Vielmehr lernst du unterschiedliche Möglichkeiten kennen, merkst, was dir gefällt und was nicht, und entwickelst anhand dieser Erkenntnisse nach und nach deine eigene Sprache.
In unserem separaten Beitrag geben wir dir noch mehr praktische Tipps, wie du deinen Schreibstil verbessern kannst.
Tipp 14: Entwickle eine Schreibroutine und realistische Schreibziele
Machen wir uns nichts vor: Einen Roman zu beginnen ist viel leichter, als ihn auch zu beenden. Deshalb lohnt es sich, dir eine Schreibroutine aufzubauen. Viele Autor:innen haben feste Rituale, einen bestimmten Schreibplatz oder Zeiten, in denen sie regelmäßig an ihrem Manuskript arbeiten. Vielleicht hilft dir Musik dabei, in die passende Stimmung zu kommen. Vielleicht brauchst du dagegen absolute Ruhe. Entscheidend ist nicht, wie deine Routine aussieht, sondern dass du sie leicht in deinen Alltag integrieren und beibehalten kannst.
Setze dir außerdem konkrete und realistische Schreibziele.
Statt: Ich möchte endlich meinen Roman schreiben.
könntest du dir vornehmen: Ich schreibe dreimal pro Woche jeweils 500 Wörter.
oder: Bis Ende des Monats möchte ich die ersten drei Kapitel fertigstellen.
Trotz Routine und Zielen, wird es natürlich Tage geben, an denen deine Motivation auf sich warten lässt. Das ist ganz normal. Dann kann es helfen, einfach für zehn Minuten anzufangen und draufloszuschreiben. Manchmal löst sich der Knoten schneller als du denkst und die Ideen fließen wieder. Nicht jeder Schreibtag muss großartig sein. Regelmäßigkeit bringt dich auf Dauer meist weiter als seltene Motivationsschübe.
Für weitere konkrete Tipps zu diesem Thema, lies gern unseren Artikel zum Entwickeln einer eigenen Schreibroutine.
Tipp 15: Überarbeite deinen Roman
Herzlichen Glückwunsch! Wenn du es bis hierher geschafft hast, hast du die erste Fassung deines Romans geschrieben. Fertig ist dein Roman damit allerdings noch nicht.
Gewinne zunächst etwas Abstand zu deinem Manuskript. Gib dir einige Tage oder sogar Wochen Zeit, um dann mit einem frischen Blick in die Überarbeitung zu starten. Versuche nicht, beim ersten Durchgang gleichzeitig Handlung, Stil, Rechtschreibung und jedes einzelne Komma zu verbessern. Effektiver ist es, deinen Roman in mehreren Schritten zu überarbeiten.
1. Handlung und Figuren prüfen
Es bringt wenig, einen perfekten Satz zu formulieren, wenn du die gesamte Szene später streichen musst. Beginne daher mit dem großen Ganzen:
- Ist der Hauptkonflikt klar?
- Funktioniert die Handlung logisch?
- Gibt es zu lange oder überflüssige Szenen?
- Steigert sich der Konflikt?
- Funktionieren Höhepunkt und Ende?
- Entwickeln sich die Figuren nachvollziehbar?
- Haben Nebenhandlungen eine Funktion?
2. Szenen und Sprache überarbeiten
Im nächsten Schritt kannst du genauer hinsehen:
- Hat jede Szene ein Ziel?
- Sind Erzählperspektive, Zeitform und Beschreibungen konsequent?
- Wiederholen sich Informationen?
- Sind Beschreibungen zu lang oder zu knapp?
- Funktionieren die Dialoge?
- Passt das Erzähltempo?
Erst danach lohnt sich der sprachliche Feinschliff. Prüfe außerdem Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung in einer separaten Runde. Unsere Tipps zum Korrekturlesen helfen dir dabei.
3. Feedback einholen
Nun solltest du die meisten Unstimmigkeiten und Fehler in deinem Manuskript behoben haben. Nach mehreren eigenen Überarbeitungsrunden kennst du dein Manuskript so gut, dass dir manche Probleme kaum noch auffallen. Testleser:innen können dir zeigen, wo etwas unklar, langweilig oder besonders gelungen ist. Bitte sie möglichst um konkretes Feedback. Statt nur zu fragen „Wie hat dir mein Roman gefallen?“, kannst du beispielsweise wissen wollen:
- An welcher Stelle hast du das Interesse verloren?
- Welche Figur war für dich besonders glaubwürdig?
- Gab es Stellen, die du nicht verstanden hast?
- Hat dich das Ende überzeugt?
Du musst nicht jede Rückmeldung übernehmen. Wenn jedoch mehrere Personen an derselben Stelle stolpern, solltest du genauer hinsehen. Lies hier weitere Hinweise und Tipps im Umgang mit Testleser:innen.
4. Lektorat und Korrektur
Schließlich können wir dir nur ans Herz legen, dir auch Hilfe von qualifizierten Buchprofis zu holen. Ein professionelles Lektorat und Korrektorat helfen dir dabei, Handlung, Stil und Sprache weiter zu verbessern. So erhält deine Geschichte den letzten Feinschliff und wirkt am Ende stimmig.
Ist dein Manuskript fertig überarbeitet, kannst du dich um Buchsatz und Covergestaltung kümmern und schließlich deinen Roman veröffentlichen.
Roman schreiben: Schritt für Schritt zum eigenen Buch
Wie du siehst, bedeutet einen eigenen Roman zu schreiben nicht, von Anfang an jede Szene, jede Figur und jeden Satz perfekt beherrschen zu müssen. Eine Idee entwickelt sich beim Planen und Schreiben stetig weiter. Und der erste Entwurf darf genau das sein: ein Entwurf.
Konzentriere dich deshalb immer auf den nächsten Schritt. Entwickle zunächst eine tragfähige Idee und deine Figuren, finde den zentralen Konflikt und entscheide, wie viel du vorab planen möchtest. Danach heißt es vor allem: schreiben, schreiben, schreiben. Und natürlich dranbleiben. Gib deinem Roman die Möglichkeit, sich zu entwickeln.
Ist der erste Entwurf geschafft, beginnt mit der Überarbeitung der zweite wichtige Teil des Schreibprozesses. Mit etwas Abstand, Feedback und mehreren Überarbeitungsrunden wird aus deinem Manuskript Schritt für Schritt ein fertiger Roman.
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- wie du den perfekten Anfang schreibst
- wie du die Handlung deiner Geschichte planst
- wie Storytelling funktioniert
- die Ausarbeitung von Figuren
- wie du die Erzählperspektive wählst
- Korrekturlesen + Überarbeitung
- wie du eine Schreibroutine aufbaust
- wie du den idealen Buchtitel findest
- die 7 häufigsten Fehler beim Schreiben


