Verbessere mit Testleser:innen dein Manuskript

Testleser:innen geben dir wertvolles Feedback zu deinem Buch und helfen dir dabei, Schwachstellen zu erkennen, die dir selbst vielleicht nicht mehr auffallen. Erfahre, wie du passende Testleser:innen findest, worauf sie beim Lesen achten sollten und wie du ihr Feedback für die Überarbeitung deines Manuskripts nutzen kannst.

Inhaltsverzeichnis

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Was machen Testleser:innen bei einem Buch?

Testleser:innen oder auch Beta Reader genannt, lesen dein Manuskript aus der Perspektive deiner späteren Leser:innen. Anders als Alpha Reader, die meist schon während des Manuskript schreibens zu frühen Entwürfen geben, lesen Beta Reader eine weitgehend fertige Fassung und beurteilen, wie die Geschichte auf Leser:innen wirkt. Sie beurteilen also nicht in erster Linie Rechtschreibung oder Grammatik, sondern die Wirkung deiner Geschichte.

Testleser:innen können beispielsweise Feedback dazu geben,

  • ob die Handlung verständlich und schlüssig ist
  • ob es Logik- oder Anschlussfehler gibt
  • ob Figuren und ihre Motivationen glaubwürdig wirken
  • ob Entscheidungen der Charaktere nachvollziehbar sind
  • wie sich das Erzähltempo anfühlt
  • ob Perspektivwechsel verwirren
  • ob Wendepunkte funktionieren
  • ob Dialoge natürlich wirken

Das Feedback deiner Testleser:innen sagt dir also, wie dein Buch tatsächlich bei Leser:innen ankommt. Das hilft dir vor allem bei der inhaltlichen Überarbeitung deines Manuskripts.
Im Buchentstehungsprozess durchläuft dein Manuskript meist mehrere Fassungen, bevor du es für Feedback an deine Beta Reader gibst. Das Testlesen erfolgt in der Regel, nachdem du dein Manuskript fertig verfasst und bereits auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft hast. Außerdem kannst du mehrere Feedbackrunden für dein Manuskript einplanen, bevor du es anschließend an das Lektorat abgibst

Warum lohnt es sich, Testleser:innen für dein Buch zu haben?

Als Autor:in kennst du deine Geschichte in- und auswendig. Du weißt, warum eine Figur eine bestimmte Entscheidung trifft, welche Informationen bereits bekannt sind und was hinter einem bestimmten Wendepunkt steckt. Deine Leser:innen wissen das alles nicht. Genau deshalb ist der Blick von außen so wertvoll. Ein:e Testleser:in kann beispielsweise feststellen, dass eine Charakterentwicklung nicht nachvollziehbar ist, eine Szene zu langatmig wirkt oder ein wichtiger Zusammenhang im Buch nicht deutlich genug wird. Sie helfen dir dabei, Schwachstellen zu erkennen und dein Manuskript gezielt zu verbessern. Zusätzlich dazu kannst du die Testlesenden bitten, im Sinne des Sensitivity Readings auch auf die Darstellung sensibler Inhalte zu prüfen.

Wie findest du Testleser:innen für dein Buch?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, geeignete Testleser:innen zu finden.

Andere Autor:innen fragen
Netzwerke mit anderen Autor:innen und tausche dich mit ihnen aus. Vielleicht kennen sie geeignete Testleser:innen oder suchen selbst Beta Reader für ihre Bücher. Auch ein gegenseitiges Testlesen kann sinnvoll sein: Du liest das Manuskript von anderen Autor:innen, und sie lesen deines. Das hat gleich zwei Vorteile: Du hilfst einer anderen Autorin bei der Überarbeitung ihres Manuskripts und schärfst gleichzeitig deinen eigenen Blick für Geschichten. Diese Erfahrungen können dir auch beim Schreiben deiner eigenen Bücher helfen.

Deine Community auf Social Media ansprechen
Wenn du bereits eine Community aufgebaut hast, kannst du dort gezielt nach Testleser:innen suchen. Beschreibe dabei möglichst genau, welches Genre dein Buch hat und welche Zielgruppe du erreichen möchtest.

Freund:innen und Bekannte fragen
Auch Freund:innen und Familienmitglieder können Testleser:innen für dein Buch sein. Allerdings solltest du berücksichtigen, dass Menschen aus deinem persönlichen Umfeld möglicherweise nicht völlig unvoreingenommen sind oder sich mit Kritik zurückhalten.

Wie findest du Testleser:innen für dein Buch?

Die richtigen Testleser:innen auswählen
Nicht jede:r Testleser:in passt zu jedem Buch. Besonders hilfreich sind Beta Reader, die dein Genre kennen und selbst zu deiner Zielgruppe gehören. Sie können besser einschätzen, ob dein Manuskript die Erwartungen deiner späteren Leser:innen erfüllt.
Du musst dein Buch deshalb nicht ausschließlich von Genre-Fans lesen lassen. Für gezieltes Feedback sind Testleser:innen aus deiner Zielgruppe jedoch besonders wertvoll.

Tipp: Testlesen findet häufig freiwillig und unentgeltlich statt. Bedanke dich deshalb ausdrücklich für die Zeit und Mühe deiner Beta Reader. Du kannst sie beispielsweise in der Danksagung deines Buches erwähnen.

Weniger Testleser:innen, dafür gutes Feedback
Mehr Testleser:innen bedeuten nicht automatisch besseres Feedback. Die Qualität des Feedbacks ist wichtiger als die Anzahl der Testleser:innen. Eine kleine Gruppe engagierter Beta Reader ist oft sinnvoller als eine möglichst große Anzahl. Als grobe Orientierung sollten höchstens fünf Personen pro Feedbackrunde dein Manuskript lesen.


Beta Reader richtig vorbereiten
Damit du hilfreiches Feedback bekommst, solltest du vorab klären, was du von deinen Testleser:innen erwartest. Teile ihnen beispielsweise mit:

  • bis wann du das Feedback benötigst
  • welche Aspekte sie besonders beachten sollen
  • wie ausführlich die Rückmeldung sein soll

Ein kurzer Fragebogen kann dabei helfen, gezieltes Feedback zu erhalten. Mögliche Fragen sind:

  • Was war dein Highlight des Buches?
  • Welche Figur hat dir besonders gut gefallen?
  • Waren die Motivationen der Charaktere nachvollziehbar?
  • Gab es Stellen, die langweilig oder zu langatmig waren?
  • Wie hast du das Erzähltempo empfunden?
  • Waren die Wendepunkte überraschend oder vorhersehbar?
  • Fandest du den Spannungsaufbau gelungen?
  • Gab es Logikfehler oder widersprüchliche Informationen?
  • An welcher Stelle wolltest du unbedingt weiterlesen?
  • Hast du das Buch insgesamt gerne gelesen?

Überlege dir im Vorhinein, in welcher Form du dein Manuskript verschicken und auf welchem Weg du das Feedback erhalten möchtest (Online-Umfrage, eigenes Dokument, Kommentar im Dokument etc.). Teile diese Informationen auch deinen Testlesenden mit, damit du sicherstellen kannst, dass sie über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen, um dir auf diesem Weg Feedback zu geben.

Tipp: Um einer vorzeitigen Veröffentlichung deines Buches vorzubeugen, kannst du bei Bedarf ein Wasserzeichen oder einen Kopierschutz für das Dokument verwenden. Darüber hinaus kannst du mit deinen Testleser:innen eine schriftliche Vereinbarung treffen, die eine Weitergabe oder Veröffentlichung des Manuskripts ausdrücklich untersagt.

Ehrliches Feedback ist wichtig
Gutes Feedback besteht nicht nur aus Lob. Deine Testleser:innen sollten offen sagen dürfen, was sie gestört oder verwirrt hat. Gleichzeitig solltest du Kritik nicht persönlich nehmen: Ein kritischer Kommentar zu deinem Manuskript ist keine Kritik an dir als Person.


Auch ein Leseabbruch kann hilfreich sein
Ein:e Testleser:in muss dein Manuskript nicht unbedingt bis zum Ende lesen, damit die Rückmeldung wertvoll ist. Wenn jemand dein Buch abbricht, frage nach dem Grund.War das Erzähltempo zu langsam? Hat eine Figur nicht überzeugt? War die Handlung unverständlich oder fehlte die Spannung? Ein Leseabbruch kann dir wichtige Hinweise darauf geben, an welcher Stelle du Leser:innen verlierst.

Was solltest du mit dem Feedback deiner Testleser:innen machen?

Kritik anzunehmen, ist für Autor:innen nicht immer einfach. Schließlich steckt in einem Manuskript viel Zeit und Arbeit. Trotzdem solltest du dich mit kritischem Feedback auseinandersetzen. Das bedeutet allerdings nicht, dass du jede Anmerkung deiner Testleser:innen umsetzen musst. Du wirst es niemals allen Leser:innen recht machen können. Wenn eine Person eine bestimmte Szene nicht mag, heißt das nicht automatisch, dass die Szene schlecht ist. Interessant wird es vor allem dann, wenn mehrere Testleser:innen unabhängig voneinander dasselbe Problem ansprechen. Dann lohnt es sich, die entsprechende Stelle genauer zu überprüfen. Letztendlich entscheidest du als Autor:in, welche Änderungen du übernimmst und welche nicht.

Tipp: Positive Zitate zu deinem Buch kannst du nach Absprache mit den Testlesenden auch für dein Buchmarketing verwenden. Beispielsweise bei deinem Klappentext oder für einen Social Media Post.

Testleser:innen sind kein Ersatz für ein Lektorat

Beta Reader ersetzen kein professionelles Lektorat. Während Testleser:innen vor allem die Wirkung deiner Geschichte aus Lesersicht beurteilen, betrachtet ein Lektorat das Manuskript deutlich systematischer und kann je nach Umfang unter anderem Struktur, Stil, Sprache und Figurenführung überprüfen. Deshalb ist es sinnvoll, zuerst Testleser:innen einzusetzen und ihr Feedback anschließend in die Überarbeitung einfließen zu lassen. Erst danach folgt das professionelle Lektorat.

Checkliste

Die folgende Checkliste hilft dir dabei, von der Auswahl geeigneter Testleser:innen bis zur Überarbeitung deines Manuskripts den Überblick zu behalten.

1. Testleser:innen auswählen

2. Testleser:innen vorbereiten

3. Manuskript sicher verschicken

4. Feedback auswerten

5. Manuskript weiterbearbeiten

Fazit

Testleser:innen können dir wertvolle Hinweise darauf geben, wie dein Manuskript aus der Perspektive deiner späteren Leser:innen wirkt. Sie helfen dir dabei, Schwachstellen zu erkennen, die dir bei deiner Geschichte möglicherweise nicht auffallen.

Entscheidend ist, passende Testleser:innen auszuwählen, ihnen konkrete Fragen mitzugeben und offen für ehrliches Feedback zu sein. Dabei musst du nicht jede Anmerkung übernehmen. Besonders interessant sind Rückmeldungen, die von mehreren Testleser:innen unabhängig voneinander genannt werden. Nutze das Feedback deiner Beta Reader deshalb als Orientierung für deine Überarbeitung. So kannst du dein Manuskript gezielt weiterentwickeln, bevor du es ins Lektorat gibst oder veröffentlichst. Denn ein guter Blick von außen kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, aus einer guten Geschichte ein noch besseres Buch zu machen.

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